Viele verbinden Stuck noch immer mit prunkvollen Altbauten oder klassischer Architektur. Dabei wird Stuck heute ganz anders eingesetzt. Moderne Profile sind oft schlicht, geradlinig und zurückhaltend. Genau deshalb passen sie nicht nur in Altbauten, sondern auch hervorragend zu modernen Häusern und Wohnungen.
Ich persönlich sehe Stuck nicht als Dekoration. Für mich gehört er zur Architektur eines Raumes. Er gibt Wänden und Decken Struktur, schafft feine Schatten und verleiht einem Zuhause mehr Tiefe und Charakter. Oft reichen schon wenige, gut platzierte Elemente aus, damit ein Raum hochwertiger und vollständiger wirkt.
Dabei ist Stuck nicht gleich Stuck. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ihn einzusetzen. Dezente Deckenleisten sorgen für einen eleganten Übergang zwischen Wand und Decke. Wandrahmen verleihen großen Wandflächen Struktur und Ruhe. Halbhohe Wandverkleidungen, auch Wainscoting oder Lambris genannt, schaffen besonders im Flur, Esszimmer oder Treppenhaus eine klassische und gleichzeitig zeitlose Atmosphäre. Moderne Schattenfugen wiederum wirken reduziert und architektonisch klar. Welche Lösung die richtige ist, hängt immer vom Raum und vom Gesamtkonzept ab.
Mindestens genauso wichtig sind die Proportionen. Ein hoher Raum verträgt meist großzügigere Profile als ein Raum mit niedriger Decke. Auch die Größe der Wandfelder, die Abstände zu Türen und Fenstern sowie die Breite der Profile beeinflussen die Raumwirkung erheblich. Genau hier zeigt sich der Unterschied zwischen einer beliebigen Gestaltung und einer durchdachten Planung.
Ich persönlich mag Stuck besonders dann, wenn er sich harmonisch in die Architektur einfügt. Für mich muss er nicht auffallen. Im Gegenteil häufig wirkt er am schönsten, wenn Wand und Stuck in derselben Farbe gestrichen sind. Erst das natürliche Licht lässt dann feine Schatten entstehen und verleiht der Wand Tiefe, ohne dass sie unruhig wirkt.
Besonders gut eignet sich Stuck überall dort, wo eine Wand etwas mehr Präsenz bekommen darf. Im Wohnzimmer kann er eine große Wand strukturieren, ohne sie zu überladen. Im Schlafzimmer schafft er hinter dem Bett einen ruhigen Blickfang. Im Flur verleiht er dem Eingangsbereich mehr Wertigkeit und sorgt schon beim Betreten des Hauses für einen hochwertigen ersten Eindruck.
Vielleicht ist genau das der wichtigste Gedanke: Nicht jeder Raum braucht Stuck. Und nicht jede Art von Stuck passt zu jedem Zuhause. Entscheidend ist nicht, möglichst viele Profile einzusetzen, sondern die passende Lösung für die jeweilige Architektur zu wählen.
Denn oft sind es genau diese architektonischen Details, die einem Zuhause Charakter verleihen und dafür sorgen, dass Räume nicht nur schön eingerichtet, sondern wirklich durchdacht gestaltet wirken. ← Zur Journal-Übersicht